Kölnische Rundschau vom 4. Januar: Totgesagte leben länger
Geschrieben am 04. Januar 2012 von Joe KnippKategorien: Allgemein
Das Theater am Sachsenring besteht seit 25 Jahren
Von Barbro Schuchardt
Totgesagte leben länger. Als das Theater am Sachsenring (TaS) am 17. Dezember 2009 nach fast 22 Jahren schließen musste, weil die städtischen Fördermittel wegfielen, war die Trauer bei den Theaterleitern Joe Knipp (57) und Hannelore Honnen (67), den Schauspielern und dem Publikum groß. Niemand konnte sich Hoffnung auf eine „Wiedergeburt“ machen – obwohl der Mietvertrag weiter lief.
Doch das Wunder geschah: Seit März 2011 wird dort wieder gespielt. Langjährige Freunde wie der Autor Tony Dunham und die Schauspielerinnen Anne Simmering und Nicole Kersten hauchten dem Theater neues Leben ein. Und im Sommer feierte Knipp mit seiner Inszenierung von Dunhams Komödie „Traumfrau verzweifelt gesucht“ seine Rückkehr.
Seit Herbst gibt es wieder einen regulären Spielplan, auf dem unter anderem die für den Theaterpreis nominierte literarische Collage „Satisfaktion“ von Hannelore Honnen und Knipps ambitionierte „Hamlet“-Inszenierung stehen.
Der Dänenprinz – gespielt von David N. Koch – ist auch die Galionsfigur für ein ganz besonderes Fest: Am 21. Januar feiert das TaS sein 25jähriges Bestehen mit Ausschnitten aus der Aufführung und einer großen Party. Und am 27. und 28. Januar wird weiter gefeiert. Da stehen Tony Dunhams Stücke „Phil Noir“ und „A Special Relationship“ (in englischer Sprache) auf dem Programm – anlässlich der 20jährigen Zusammenarbeit mit „Confederacy of Fools“.
Honnen und Knipp werfen einen Blick zurück auf ein Vierteljahrhundert erfolgreicher Arbeit. „Wir haben gewagt und gewonnen!“ freut sich Knipp. Genau am 21. Januar 1987 haben die Partner den Mietvertrag für das TaS (früher hieß es mal „Saxi“) unterschrieben.
Start mit starker Mischung
Knipp hatte dort schon im Jahr zuvor mit seinen „Zinnober“-Kollegen Albrecht Zummach und Clemens Dreyer das Programm „Wer die Kunst nicht liebt, kann ja immer noch das Fernsehen einschalten“ gespielt. Für ihr Publikum war das nie eine Option. „Wir konnten das Haus lange Zeit gut betreiben mit einer Mischung aus Schauspielertheater, Kabarett und Musik – die Bedürfnisse der Zuschauer deckten sich mit unseren Ambitionen“, sagt Knipp.
Hannelore Honnen, die schon für das Freie Theater Neuwied mit Knipp zusammen gearbeitet hatte („Wir sind geistesverwandte Seelen“), inszenierte damals das erste Stück: „Frau Armand trifft Rosa Luxemburg nicht“ nach einem Roman von Colette. Der Schwerpunkt der zurückhaltenden Kunstlehrerin liegt inzwischen auf dem Schreiben und der Ausstattung, die sie zusammen mit Knipp entwickelt. „Ich liebe Bühnenbilder, die man in eine Kiste packen kann“, erklärt sie – ein Konzept, das sich der Mini-Spielfläche anpasst.
Knipp ergänzt: „Wir zeigen zum Beispiel in unserem ,Hamlet’, wie man mit ein paar Flügelschlägen ohne technischen Aufwand abheben kann. Text und Schauspieler sollen im Mittelpunkt stehen.“ Dieser Anspruch wurde in den gefeierten Aufführungen „Kafkas Welten“ mit David N. Koch (2008) und das Theaterpreis-gekrönte „Fest“ von Thomas Vinterberg (2003) aufs Schönste erfüllt – über 5000 Zuschauer besuchten die stets ausverkaufte Inszenierung. Auf Richard Hucke, der seinerzeit in der Rolle des Sohnes Christian brillierte, wartet im Mai 2012 eine neue große Aufgabe in „Szenen einer Ehe“ nach Ingmar Bergman.
Immer wieder beweist Knipp auch sein gutes Händchen für die leichte Muse. So ist er seit den 1980er Jahren „Hausregisseur“ des Kabarettisten Thomas Reis. Die Bühnenfassung von dessen Erfolgsprogramm „Gibt’s ein Leben über 40?“ wird im März 2012 Premiere haben. Auch ein neues Stück von Tony Dunham ist geplant. „Wir haben zum Glück wunderbare junge Schauspieler, die mit Leib und Seele bei der Sache sind“, freut sich der Hausherr. Viele kommen von der Kölner Theaterakademie, wo Knipp unterrichten und im November die Abschlussinszenierung einstudieren wird. „Theater kann Geschichten erzählen, Theater schärft die Sinne und klärt den Kopf!“ ist die Devise der engagierten Truppe am Sachsenring.



